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ERNÄHRUNG

Daucus Carota - viel mehr als nur eine Möhre

Daucus Carota - viel mehr als nur eine Möhre

Jedes Baby weiss: Nach der Muttermilch kommt Möhrenbrei. Trotz der frühen Erfahrungen mit der leckeren Pfahlwurzel, wissen nur wenig Erwachsene vom enormen Potential der Möhren. Sie sind nicht nur ernährungsphysiologisch bedeutsam, sondern haben breit angelegte, heterogene Heilwirkungen.


Ergebnis vieler Kreuzungen

Die Mutter aller Möhren ist die Wilde Möhre (Daucus carota L.). Sie gehört zur Familie der Doldenblütler (Umbelliferae) und ist in Asien und Europa beheimatet. Sie wächst auf mageren, trockenen Böden, im Berg- und Flachland an Straßen- und Wegrändern. Die Pflanze ist unübersehbar und kann bis zu einem Meter hoch aufschiessen. Sie hat weisse oder rosafarbene vielstrahlige Dolden, ihre Blätter sind fiederteilig zerschlitzt und haben haarfeine Zipfel. Sie blüht von Mai bis Oktober und entwickelt zwei bis vier Millimeter lange Früchte, die länglich-eiförmig aussehen. Ihre Wurzel ist rübenförmig, holzig, innen und aussen weiss. Die wilde Möhre hat mit der modernen, orangefarbenen und stark carotinhaltigen Möhre nur noch wenige Gemeinsamkeiten. Wie die heutige Möhre entstand, aus welchen Kreuzungen oder Mutationen sie hervorging, darüber sind sich Botaniker nicht einig. Eine Theorie, die häufiger kolportiert wird, geht davon aus, dass sich unsere Möhre in mehreren Mutationsschritten entwickelte. Im 10. Jahrhundert sollen afghanische Wildmöhren mit purpurroter Wurzel (Anthocyane, wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe) in den Mittelmeerraum gelangt sein und dort gelbe Mutanten entwickelt haben. Im 14. und 15. Jahrhundert sollen weiße, rote und gelbe Sorten nach Mitteleuropa gelangt sein. Die heutige, orange Möhre, die weltweit Verbreitung findet, entwickelte sich aus der Weissen Möhre und ist ein Zuchtergebnis des 20. Jahrhunderts. Die Möhre, Karotte, Wurzel oder Gelbe Rübe wie sie auch genannt wird, gehört zu den wichtigsten Gemüsepflanzen. Ihre Beliebtheit beruht auf dem süsslichen, milden Geschmack und den wertvollen Inhaltstoffen. Möhren werden von der Nahrungsmittelindustrie zu Nass-, Gefrierkonserven, Trockenprodukten und Säften verarbeitet. Für die Pharmaindustrie sind sie wegen der medizinisch wirksamen Inhaltstoffe Grundlage verschiedener Präparate.

nur eine Auswahl der wichtigsten Inhaltsstoffe...

Möhren haben eine ganze Reihe von medizinischen wirksamen Inhaltsstoffen (untersucht wurden praktisch nur kultivierte Karotten, bzw. deren Extrakte). Die wichtigste Gruppe sind die Carotinoide. Das ist eine Gruppe von, im Pflanzen- und Tierreich weit verbreiteter gelber und roter Farbstoffe. Chemisch sind es hochungesättigte, teilweise gradkettig, teilweise gradkettig-ringförmig aufgebaute Kohlenwasserstoffe und deren Sauerstoffverbindungen. Die überragende physiologische Bedeutung der Carotinoide liegt in ihrer Beteiligung an der Energieübertragung bei der Photosynthese, sowie der Funktion, Zellen vor schädigendem Lichteinfluss zu schützen, und bei der Untergruppe der Carotine in ihrer Funktion als Provitamin (=inaktive Vitamin-Vorstufe). Bekannte Möhren-Carotine sind Betacarotin (Provitamin des lebensnotwendigen Vitamin A1, auch Retinol genannt, wird in der Leber zu Vitamin A umgebaut) oder Lycopin (ein krebsschützender Inhaltsstoff, der besonders auch bei Tomaten vorkommt). Die Menge der ätherischen Öle (z. B. Limonen), die in der Möhre enthalten sind, ist - zumindest bei der Wurzel, nicht aber den Samen - eher gering für therapeutische Wirkungen. Trotzdem wurden sie gerne in Kombination mit anderen ätherischen Ölen verwendet, z. B. für Bronchial-Inhalationskapseln. Die Gruppe der Polyine, das sind hoch-reaktive, instabile Kohlenstoffverbindungen mit mehreren Dreifachbindungen, ist in letzten Jahren besonders in den Focus wissenschaftlicher Aufmerksamkeit geraten. Ihr Hauptvertreter bei der Möhre, das Falcarinol (auch Carotatoxin genannt) schützt die Möhre vor Pilzbefall, ist also ein natürliches Pestizid. Bei Säugetieren, so zeigen aktuelle Untersuchungen, kann Falcarinol die Krebsentstehung aus Krebsvorläufern (Präkanzerose) hemmen. Dies ist eine späte Bestätigung für eine Anwendung von Möhren bei der Behandlung von offenen Tumoren in vergangenen Jahrhunderten. Hinweis: Auch die Superheilpflanze Kamille hat höhere Anteile ähnlicher Polyine. Der hohe Gehalt an Zuckerverbindungen aus den Gruppen der Mono- und Oligosaccharide, z. B. Glucose (Traubenzucker) oder Saccharose (Rohrzucker), ist zwar kaum therapeutisch bedeutsam, bietet aber eine ernährungsphysiologische Erklärung, warum Möhren bei uns zumeist das erste Lebensmittel überhaupt ist, das Babys beim oder nach dem Abstillen erhalten („nährstoffreich und verträglich fast wie Muttermilch“). Neben diesen pharmakologisch auffallenden Inhaltsstoffen haben Möhren einen hohen Anteil von Mineralstoffen, an Polysacchariden wie z. B. Pektin, für die menschliche Verdauung vorteilhaften Ballaststoffen oder Vitaminen der B-Gruppe und Vitamin C.

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