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ERNÄHRUNG

Haut und Möhre - eine besondere Beziehung

Daucus carota hat eine mehrfache und besondere Beziehung zur menschlichen Haut. Die Vorstufen von Vitamin A sind wichtig für die Hautgesundheit. Fehlt das Vitamin, verhornen die Talgdrüsen, die Hautzellen regenerieren sich langsamer, die Haut trocknet aus, wird rissig, spröde und infiziert sich leichter. Die Möhrenfarbstoffe haben aber noch eine andere Wirkung. Diese ist besonders von Säuglingen oder Kleinkindern bekannt, denen Möhrensaft oder andere Karotten-Nahrungsmittel in gutgemeintem Übermaß verabreicht werden: Sie bekommen hierdurch bald eine kräftige, gelblich-/orange-bräunliche, jedoch völlig ungefährliche Färbung (Hypercarotinämie), die aber nicht ganz der durch normale Hautbräunung hervorgerufenen Melaninfärbung der Europäer gleicht. Gleiche Effekte hat die Möhre aber bei Erwachsenen. Wirkung: Die in die Haut eingelagerten Karottenfarbstoffe sehen nicht nur enorm gesund aus, sondern schützen die Haut ähnlich wie der natürliche Hautfarbstoff Melanin vor den schädigenden Wirkungen des Sonnenlichtes, besonders seiner UV-Anteile. Menschen, die wie die verstorbene deutsche Bundeskanzlergattin Hannelore Kohl an einer Sonnenallergie leiden, können somit die Haut künstlich bräunen und ertragen dadurch leichter den Aufenthalt in der Sonne. Entsprechende Präparate gibt es zum Eincremen aber auch zum Einnehmen.

Karotte - Freundin aller Augen

Bei der Wirkung der Möhre muss wie bei allen auch medizinisch wirksamen Lebensmitteln oder Gewürzen zwischen der primär nutritiven, durch die Lieferung von wertvollen Nahrungsbestandteilen bedingten Wirkung (z. B. Stimulation der Dickdarmaktivität durch Ballaststoffe) und den primär therapeutischen Wirkungen (z. B. durchfall-hemmende Wirkung der Möhren-Pektine) unterschieden werden. Zudem ist zwischen traditionellen, z. B. durch Erfahrungsheilkunde oder Signaturlehre vorgegebenen Wirkungen (Beispiel: Die Möhre gilt aus verständlichen Gestalt-Gründen seit alters her als Aphrodisiakum für Männer..., siehe Kasten) und wissenschaftlich belegten Effekten zu unterscheiden. Klar ist: Zubereitungen aus der Möhrenwurzel begünstigen die Sehschärfe und das Dämmerungssehen (beugen Nachtblindheit vor), wirken vorteilhaft bei bestimmten Augenkrankheiten (Retinitis pigmentosa) und beeinflussen die Harnausscheidung positiv (wirken diuretisch, u. a. wegen des hohen Kaliumgehaltes). Weitere belegte Effekte: Möhrenzubereitungen wirken als Wurmmittel (Anthelmintika) und haben antimikrobielle Effekte. Die wurmtreibende (vermifuge) Wirkung ist vermutlich primär durch den Gehalt an ätherischen Ölen bedingt: Diese wirken auf die unerwünschten Darmbewohner zunächst leicht erregend und dann lähmend. Auch die bakterizide Wirkung, besonders auf grampositive Bakterien (z. B. die Erreger der Lungenentzündung - Pneumokokken), entsteht durch die ätherischen Öle der Möhre. In zahlreichen Untersuchungen der letzten Jahre sind eine Reihe weiterer potentiell therapeutischer Wirkungen bekannt geworden:


Gut zum Darm und zur Haut

Die traditionell berichteten Heilwirkungen oder die experimentellen Hinweise auf therapeutische Effekte werden heute in einigen bewährten Gesundheitsstörungen oder Erkrankung umgesetzt. In der Kinderheilkunde ist die Möhre ein bewährtes Mittel bei Mandelentzündungen, bei Ernährungsstörungen und als Diätetikum zur Heilung von Verdauungsstörungen. Beispiel: Der Pektingehalt (=eine langkettige Zuckerverbindung) ist vermutlich verantwortlich für die stopfende Antidurchfall-Wirkung der Möhre. Für dermatologische Indikationen wie polymorphe Lichtdermatosen („Sonnen-Allergie“) und Pigmentanomalien (Über- oder Unterpigmentierung, auch fleckförmig) sind Fertigarzneimittel in der Anwendung. Zum Austreiben von Darmparasiten ist sie auch in Teemischungen enthalten (u. a. als Samen - Heshi - in der chinesischen Medizin). Gerade bei Oxyuren, Darmwürmern („Madenwürmer“), die bei Kindern besonders häufig sind -, ist die Möhre als therapeutisches Hilfsmittel jedoch nicht sehr zuverlässig (Anwendung bei Würmern: Morgens 1 Glas Saft oder 1-2 große Möhren, bei Spulwürmern: frische, geschabte Möhren über mehrere Tage). Die leicht wassertreibende (diuretische) Wirkung wird therapeutisch zwar nur selten genutzt. Reinigungs- und Entschlackungskuren (z. B. im Vorwege einer medizinischen Fastenkur) können Möhren mit ihrer leberunterstützenden und diuretischen Wirkung jedoch gut unterstützen („Entgiftung“). Weitere Wirkungen: Entblähung, milchtreibend oder im Rahmen von Nierenerkrankungen harntreibend (wichtig z. B. bei Blasenentzündung), steintreibend (Nieren, Blasen, z. B. Nierengriess) und ödemausschwemmend (z. B. bei „dicken Füßen“). Traditionell empfohlen (aber kaum belegt) wird die Möhrenanwendung bei Störungen wie alkoholbedingtem Kater, Höhenkrankheit, Faltenbildungen oder verlängertem Menstruationszyklus. Für Naturheilkundler interessant: Die phythotherapeutisch so vielgestaltig wirkende Pflanze führt als Daucus carota in der Homöopathie ein Schattendasein, wird in den meisten Arzneimittellehren nicht einmal erwähnt.

Gegen Krebs

Wesentlich als Erklärung der klinischen Wirkungen der Möhre ist ihr Gehalt an Betacarotin und ähnlicher Verbindungen (Lycopin, Lutein u. a.): Deren stark antioxidative Wirkungen reduzieren durch Entschärfung bestimmter Zellgifte (z. B. Sauerstoffradikale) die Gefahr von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Zudem verbessern hohe Betacarotin-Werte im Blut die Rekonvaleszenz und erhöhen die Überlebensdauer bei diesen oft lebensbedrohlichen Komplikationen einer, oft mit Bluthochdruck kombinierten Arterienverkalkung. Soweit erforscht, könnten die antioxidativen Effekte durch eine Senkung schädlicher Blutfette in Kombination mit einer Erhöhung der Vitamin E-Spiegel im Blut (ebenfalls ein wichtiges Antioxidans) durch Karottenzubereitungen noch verstärkt werden. Ebenfalls von der antioxidativen Potenz von Betacarotin und anderen Carotinoiden sind die onkologischen Karotteneffekte abgeleitet: So senkt regelmäßiger Möhrenkonsum die Gefahr von Lungen- und Kehlkopfkrebs deutlich, auch bei ehemaligen Rauchern (bislang nur bei Frauen untersucht). Auch Krebserkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostatakarzinom) soll Betacarotin vorbeugen. Hinzu kommen die bereits erwähnten, kanzerogenese-hemmenden Polyine.

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